Feuer gefangene Glücksgefühle

27. September 2019. Heimspiel für die Oldenburger Band Catapults, die für diesen Abend Apart From Us aus Frankfurt am Main eingeladen haben. Pop-Punk trifft auf ein Publikum, das sich textsicher mitreißen lässt. Die umBAUbar ist einer von 16 Tourstopps der nach der neuen EP benannten „Greyscale“ Tour.

Das Quartett aus Frankfurt am Main Apart From Us präsentiert ein energiegeladenes Set, zusammengewebt aus euphorischem Gesang und einem munteren Klangteppich aus Gitarre, Bass und Schlagzeug. Immer wieder werden die Zeilen aus dem Mund von Sänger Jens Deutschländer durch den Gesang der anderen Bandmitglieder geschmückt. Untereinander wird sichtlich der Kontakt gesucht, sei es beim gegenseitigen Ansingen oder beim Herumspielen an den Instrumenten der anderen – das Zusammengehörigkeitsgefühl der Vier spürt man auch vor der Bühne.

Zu schade, um den Kontakt zum Publikum zu suchen, ist sich die Band auch nicht; direkt beim ersten Song springt Jens von der Bühne und holt die zögerlichen Konzertbesucher am Handgelenk näher zu sich heran. Erste Hemmungen werden gelöst, Kälte abgeschüttelt und anfängliche Dancemoves ausgepackt.

„Können wir zusammen springen?“

Als dann kurz darauf der erste Moshpit entsteht, ist das Eis gebrochen. Mit einem Grinsen auf den Lippen wird die Musik genossen, erste Textzeilen können mitgesungen werden oder es wird euphorisch getanzt.

Schlagzeuger Valentin Koch verliert direkt nach den ersten Songs die Kontrolle, seine Haare schwirren ihm im Gesicht herum und er konzentriert sich völlig auf die Musik. Ebenso konzentriert sind seine Kollegen der Rhythmus-Fraktion: Gitarrist Marcel Greb steht gedankenverloren auf der Bühne, immer wieder huscht ihm ein Grinsen über die Lippen. Bassist Chris Bredow gibt sich weniger zaghaft, immer wieder verliert er sich in Richtung Jens‘ Mikrofon. Legt seine ganze Kraft in ausdrucksstark gesungene Zeilen, wirkt so, als würde ihm das Ganze hier die Welt bedeuten. Der gemeinsame Nenner der Vier ist förmlich spürbar, die gemeinsame Leidenschaft durchtränkt eine Atmosphäre, die sich schnell familiär anfühlt.

Back to better days

Ein ruhiger Song wird angestimmt. Mit der Ansage „Wenn wir euch heute etwas mitgeben können, dann, dass ihr aufeinander aufpassen sollt.“ Chris betont, dass oft die fröhlichsten Menschen an Depressionen leiden und dass man das oft erst sieht, wenn es zu spät ist. Das nächste Lied ist diesem Thema gewidmet und lässt die Konzertbesucher in eine melancholische Stimmung verfallen. Imaginäre Rosen und Taschentücher werden ausgepackt, während Handy-Taschenlampen Lichter das Herz erwähnen. Macht mich glücklich, dass Apart From Us ihre 30 Minuten Spielzeit auch für so eine wichtige Aussage nutzen und nicht nur energiegeladene Songs abliefern, um Eindruck zu schaffen.

Das Ende rückt näher und die Frankfurter legen noch einen drauf – mit dem Track „Back to Better Days“ aus der gleichnamigen 2019 erschienenen EP. „So take me back, back to better Days. I’m not afraid!“ bleibt mir noch lange im Kopf stecken.

Worte des Dankes kommen diesen Abend des Öfteren über die Lippen der Jungs; besonders hervorgehoben wird, dass sie sich auf ihrer ersten Show im Norden sehr aufgehoben fühlen und sich derbe auf den kommenden Auftritt von Catapults freuen. Abschließend werden feuerwerkartig noch letze Endorphine ausgesendet, die ganze Band versammelt sich um das Schlagzeug und legt in die letzten Töne alle Gefühle.

Muntern plaudernd wird die inzwischen immer größer gewordene Menge durch die sich bemerkbar machenden Mitglieder des Hauptacts Catapults unterbrochen. Der kleine Club ist gerade im vorderen Raum brechend voll, erwartungsvolle Körper drängeln sich gegeneinander und recken neugierig ihre Köpfe gen Bühne.

„Endlich wieder Hometown Show!“

Und wie sehr das eine Hometown Show ist, merkt man besonders in den Gesichtern der Besucher und der Bandmitglieder. Der Abend steht unter einem besonderen Stern. Wirkt wie das Zusammenkommen guter Freunde, die sich zum Skaten und Bier trinken im Park treffen. Diejenigen, die das erste Mal auf einem Catapults Konzert sind, werden direkt aufgenommen und herzlich willkommen geheißen.

Catapults stehen für warmen Pop-Punk und Alternative Rock, für einen Wechsel aus flächigen Riffs und einprägenden Melodien. Für ein sich nicht aufdrängendes, aber auch nicht zurückhaltendes Schlagzeugspiel. Untermalt durch gefühlvolle, aber auch energiegeladen gesungene Zeilen mit Joost Rademacher am Mikrofon. Immer wieder gespickt durch feine Elemente. Die einzelnen Instrumente spielen einander zu, umweben den Gesang.

Marmeladenglas-Atmosphäre

Das Lächeln auf den Lippen könnte glatt festgebrannt sein, die Texte liegen sowohl Band als auch Besuchern felsenfest auf der Zunge und die Atmosphäre hellt sich immer mehr auf. Welche ich gerne in einem Marmeladenglas eingefangen und mit nach Hause genommen hätte, für kalte Tage, an denen nicht einmal die Heizung so warm wird wie die Atmosphäre an diesem Abend in der umBAUbar.

Dass die Band noch nicht einmal zweijähriges Bestehen feiern kann merkt man nicht. Das Zusammenspiel der Musiker untereinander und die Interaktionen mit dem geladenen Publikum laufen so reibend ab, dass Catapults ruhig schon Jahrzehnte zusammen hätten Musik machen können. Aber trotzdem: der Abend ist mehr als gelungen abgelaufen!

Mit dem Verlauf des Abends kommt es fast so rüber, als würde die Band das Publikum für jede Show engagieren – denn immer wieder werden Insider Richtung Bühne gebrüllt, die die Bandmitglieder strahlen lassen. Nur eins von zahlreichen Beispielen ist der Zuruf nach Ende eines besonders energiegeladenen Songs: „Das war ein Banger!“, auf den Joost grinsend mit „Du bist ein Banger!“ antwortet. Hach, wie schön!

Mitreißend ist der Abend sowohl im Zuschauerraum als auch auf der Bühne. „Ich habe noch nie direkt nach dem ersten Song etwas trinken müssen. Ihr seid der Hammer“, fasst der freudestrahlende Sänger und Gitarrist den Abend perfekt zusammen. Dem Sog des direkt aufbrandenden Moshpits kann niemand entkommen; beflügelt treffen die Wogen der verschiedensten Leiber immer wieder aufeinander.

Meilensteine und Glücksgefühle

Und wenn gerade kein Moshpit den viel zu klein erscheinenden Raum durchwälzt, hält das die Menge trotzdem nicht davon ab, euphorisch zu tanzen und lauthals mitzusingen. Die Energie scheint keine Sekunde aus den Körpern zu weichen, stelle ich verblüfft fest – und muss mich im nächsten Moment an den nächsten Pfeiler lehnen, während die Menge fröhlich weiterfeiert. Der Raum wird mit jedem Lied immer kleiner, immer mehr Körper drängen sich aneinander.

Die einzelnen Gedanken verschwimmen zu einem großen Ganzen, in dem nur noch Platz für die Musik des Quartetts ist. Heute sind alle zusammen hier, die Grenzen des Individuums verschwimmen. Im Moshpit treffe ich die Jungs von Apart From Us wieder, die genauso gebannt wie alle anderen in dem Geschehen aufgehen. Ich habe definitiv Feuer gefangen und will mehr – auch wenn ich leider zu einer der wenigen Personen zählen muss, die die Lyrics nicht mitsingen können. Beim nächsten Mal wird das aber definitiv anders aussehen!

Kurz darauf schnappen sich die Frankfurter von Apart From Us den in der Menge performenden Joost und tragen ihn wortwörtlich auf den Händen in Richtung der viel zu niedrigen Decke. Fast eine ganze Minute hält der Musiker das aus, bis er dann wieder zurück auf die Bühne getragen wird. Erschöpft, aber noch breiter grinsend als zuvor. Dass das möglich ist… „Glaube das ist ein neuer Meilenstein in der Bandgeschichte, dass jemand Crowdsurfen war von uns.“ Seine Glücksgefühle strömen über in meinen Körper, hinterlassen grinsende Backen und ein warmes Herz. Auch Bassist Lars Bannasch möchte an diesem Meilenstein teilhaben und lässt sich kurzerhand zum nächsten Song in die Menge fallen, die ihn wenig vorbereitet mit Ach und Krach über ihren Köpfen schweben lassen kann.

Dann zieht sich die Band für einen ruhigen Song stückweit zurück. Begleitet von einer ernsten Ansprache, die sich schwer auf die Seelen der Besucher legt und dazu animiert, die Handytaschenlampen und vereinzelt auch Feuerzeuge zu zücken. Aber auch dieser Song wechselt von ruhig zu kraftvoll, behält dabei seine schwere Stimmung und die tragende Message.

Ein buntes Potpourri voll geladener Songs der neuen EP „Greyscale“ und der älteren EP „Cold Alley“ zieht sich durch den Abend. Zur Trauer aller neigt sich dieser aber wie im Flug dem Ende zu und selbst die zahlreichen Zugabe-Rufe nach der eigentlichen Zugabe holen die Band nicht mehr zurück.

Beitragsbild: Catapults in der umBAUbar Oldenburg (c) Catapults

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