Tagträumerei für Groß und Klein

Die diesjährige Breminale findet vom 03. bis zum 07. Juli auf dem Osterdeich Bremen statt. Darunter zu verstehen ist ein vielseitiges und buntes Festival ohne Eintritt, das neben Livemusik noch zahlreiche andere Angebote aufweißt. Beim Schlendern über den gut besuchten Deich fallen mir die hübsch dekorierten und gut besuchten Essensstände auf, die neben dem breitgefächertem Trödelangebot mit verlockendem Geruch locken.
Außerdem gibt es viele interaktive Möglichkeiten – von Siebdruck bis zu Parcour-Workshops ist alles dabei. Auf der Kinderbreminale wird für den Spaß der Kleinen gesorgt. Alles in allem stellt das liebevoll gestaltete Festival direkt am Wasser einen vielseitigen Zeitvertreib für Familien, Freunde und Alleingänger dar.
Ich bin allerdings dieses Jahr hauptsächlich wegen der Musik vor Ort, lasse es mir aber trotzdem nicht nehmen, am Mittwoch, dem Eröffnungstag, über das große Gelände zu schlendern. Überall gut gelaunte Menschen. Besonders auf dem Deich haben es sich viele gemütlich gemacht, um die sommerlichen Sonnenstrahlen zu genießen, der aus den verschiedenen Zelten und Bühnen herüberwehenden Musik zu lauschen und das kulinarische Angebot zu genießen.
Meine volle musikalische Aufmerksamkeit widme ich an diesem Mittwoch Van Holzen im Flut Zelt und Faakmarwin im Bremen Vier Zelt.

Van Holzen sind in Bremen wohl noch ein Geheimtipp, als auch kurz vor Beginn nur eine Handvoll Leute ihren Weg in das Zelt gefunden hat. Aber ein guter Geheimtipp, wie sich kurz darauf feststellen lässt. Schwere Melodien treten in Einklang mit einer Stimme, die nichts mehr zu verlieren hat. Insgesamt ist der Sound reduziert auf die drei jungen Männer. Keine glamourösen Effekte, keine Synthesizer, kein Lametta. Reduziert auf das, was sie sind – Florian Kiesling, Jonas Schramm und Daniel Kotitschke. Extra aus Ulm angereist.

Da das Zelt rechts und links von der Bühne geöffnet ist, laufen immer wieder Menschen vorbei. Einige bleiben stehen, genüsslich am Bier nippend und im Takt wippend. Andere gehen geschäftig weiter, haben nur einen kurzen Blick über für die junge Band. Für die, die bleiben ist Sänger und Gitarrist Florian dankbar, wie er des Öfteren betont. Wenn zwischen den sperrigen Songs Platz für kurze Ansagen bleibt. In einer dieser Ansagen erwähnt er auch die kommende Tour; auch Bremen wird am 07. November ein Besuch abgestattet. Ich werde da sein.

Insgesamt 15 Songs fluten das einladende Zelt. Die Schwere wabert umher, durchtränkt von eingängigen Melodien. Hektisch, aber trotzdem gelassen. „Ich habe mich verloren. Keiner weiß, wo ich bleib.“ Das zweite Album, „Regen“, ist erst kürzlich auf dem Markt erschienen. Seitdem hat besonders der gleichnamige Song in viel Aufmerksamkeit baden dürfen, der in dem Set natürlich nicht fehlen darf. Kommt aber ebenso gut an wie die alten Klassiker des Debüt-Albums „Anomalie“ und der ersten, nach der Band benannten EP. „Nackt“ wird für die Dauer des Auftritts zu meinem Lieblingssong. Hörbar anders als die neuen Songs, mit eingängigen, tanzbaren Refrains und verspielten Riffs. Soll in diesem Set auch der letzte sein, bevor die Band nach anfangs zögerlichen Zugaberufen wieder die Bühne betritt. Die endgültig letzten beiden Songs, „Der Schönste“ und „Herr der Welt“. Letzterer begeistert. Direkt, nach vorne und ausdrucksstark. Verlorener, nachdenklicher und bewusster Gesang, vorangetrieben durch um sich schlagende Riffs.

Als wir noch gefangen in der drückenden Atmosphäre im Bremen Vier Zelt ankommen, ist es schon massiv voll. Kein Wunder, für die Bremer ist das hier ja auch ein Heimspiel. Draußen verschwinden die letzten Sonnenstrahlen im glänzenden Wasser, hier drinnen betreten jetzt Faakmarwin die Bühne. Im ganzen Zelt findet die bunte, euphorische Atmosphäre Anklang. Unterstützt durch farbenfrohes Licht zu dem Song „Du bist schön“. Das Grinsen auf der Lippen der Drei will nicht verschwinden. Authentisch. Energiegeladen. Freudestrahlend. Bei „Und du tanzt“ kommt Michel Ryeson auf die Bühne, der heute auch schon einen gut besuchten Auftritt hier hingelegt hat. Er wird dementsprechend auch mit viel Applaus und gutherzigem Lächeln begrüßt.

In der ersten Reihe Fans, die textsicher die Zeilen mitsingen können. Die wirken, als wären sie die glücklichsten Geschöpfe der Welt in diesem Augenblick. Im Zelt verteilt eine bunte Mischung aus Zuschauern, die die Band schon länger kennen oder die sich angelockt von der bunten Musik im Bremen Vier Zelt verloren haben. Die beiden hinter mir tauschen sich während dem Konzert über Bands aus, scrollen sich anschließend durch das Spotifyprofil von Faakmarwin.

Das ist wohl das Schöne an der Breminale – den Bands wird eine Chance gegeben. Ob es gefällt oder nicht, kann ja auch noch hinterher entschieden werden. Einen Blick kann man wohl riskieren. Faakmarwin ziehen die Leute von ihren gemütlichen Sitzplätzen auf dem Osterdeich, von den Ständen weg und rein ins Zelt. Laden dazu ein, zusammen zu feiern und abzugehen. Auch wenn ich solche Musik eigentlich gar nicht höre, gefällt es. Weil die Bremer wissen, wie sie die Menge anheizen können. So dass gegen Ende des Sets ein großer Moshpit den Boden ordentlich zum Beben bringt. Ausgelöst durch einen kleinen Circle Pit, in dem sich strahlende Gesichter verlieren und das ein oder andere auch zu Fall kommt. Was aber gar kein Problem ist, ruck zuck drehen sich alle munter weiter. Fassen sich dafür an den Händen, um kurz darauf in den Wogen des Moshpits unterzugehen.

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