Mit der Angst tanzen

Was sich im ersten Moment anhört wie eine Abklatsche des sinnbefreiten Wohlfühl-Pops, entpuppt sich im zweiten Moment als ein kunstvolles Abtauchen in die Gefühlswelt des Geschwister-Duos KLAN, die sich mit ihrer Single „Baby Baby“ auch durch Hip-Hop, Blues und Disco-Tunes schlängeln. Michael und Stefan Heinrich setzen auf Do-It-Yourself, Second-Hand-Merch, Ehrlichkeit und klare Standpunkte.

Zwischen den Zeilen geht es um die Schönheit im Scheitern, die so natürlich rübergebracht wird, dass ein jeder sie mit Leichtigkeit für sich interpretieren kann. Denn KLAN finden, dass nach jedem Scheitern die Hoffnung bleibt, es beim nächsten Mal besser zu machen. Sich zuversichtlich durch den Tag und die Angst klein zu tanzen.

Es geht um Ehrlichkeit und um Gefühle. Vor allem wird aber auch vermittelt, dass es okay ist, um Hilfe zu bitten und vor anderen Menschen die hohen Hecken des inneren Labyrinths niederzureißen. Dass es gut tut, sich den Ballast von der Seele zu reden und die inneren Bausteine zu enthüllen.

Umarmungen, Nähe, Vertrauen und Gefühle sollten auch unter Männern kein Zeichen von Schwäche sein – KLAN wollen ausbrechen aus den typischen Rollenbildern, wollen die Stereotypen verbrennen und lachend etwas Neues aufbauen.

„Wir sind alle so unperfekt, haben uns alle schon Mal versteckt. Wurden alle schon einmal verletzt. Uh, Baby Baby!“

Die Single groovt sich mit markanten Einwürfen am Klavier direkt ins Herz. Ob es jetzt der einprägsame Refrain ist, der stimmungsvolle Aufbau oder die vielen Kleinigkeiten, die den Song verzieren – KLAN wissen, was sie machen. Die Harmonie der Brüder untereinander befeuert die Wärme und Authentizität, die der Song ausstrahlt. Die sanfte Stimme von Sänger Michael lädt zum Träumen ein, dröhnt durch den Raum und hallt von liebevoll geschmückten Wänden wieder.

Und gleichzeitig verschönern die beiden die Instagram-Timeline hin und wieder mit ehrlichen Statements und Hintergründen zu den eigenen Sounds. Befreien sich durch Worte von dem Vorwurf, dass Deutsch-Pop heutzutage nur unreflektiert und Mainstream sein kann.

Diesen Zustand der winterlichen Inaktivität reflektieren KLAN auf dem ersten Halbum der Welt „Winterseite“, das nach einer der beiden Straßen in ihrem Heimatort benannt wurde. Trotz der Melancholie und der kuscheligen Zeilen gibt es aber auch den ein oder anderen freudigen Ausblick auf den Sommer, der wie ein Hoffnungsschimmer in den einzelnen Songs hervorstrahlt und dann schließlich im ergänzenden Halbum thematisiert werden soll.

Klan tour dates

Beitragsbild: KLAN (c) Dorothea Dittrich

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