Komponierter, Komprimierter und Konzentrierter Komfort

Es klingt einfacher als es ist, lang andauernde Proberaum-Jams in kompakte Songs zu komprimieren – und trotzdem wagen sich Holosoma an diese große Aufgabe. Ziel dabei ist, genau das Gefühl dem Hörer zu vermitteln, welches im Proberaum herrscht.

„Nach 40 Minuten taucht jeder aus seiner fast transzendentalen Versunkenheit auf, grinst und genießt den Nachhall der Reise. Das in 3-5 Minuten zu arrangieren, ist echt harte Arbeit.“

Was bei diesem Prozess entsteht, kann man auf der bereits erschienenen Single „H.O.L.O.S.O.M.A“ erleben. Aber das hat noch nicht gereicht und somit erschien kürzlich das Musikvideo zu „Komponierter Komfort“, das am 18.04 durch den Singlerelease erweitert wird.

Das in Berlin entstandene OneShot-Video zeigt heruntergebrochen auf das Wesentliche den Protagonisten im Vordergrund, der nichts anderes erlebt, als auf den Bildschirm seines Handys zu starren. Er hebt nicht einmal den Blick, als düstere Gestalten an ihm vorbeilaufen und ignoriert seine Umwelt vollkommen.

Bewusst verschwommen nimmt der Zuschauer den eintönigen Hintergrund wahr, der Mond scheint klar und trotzdem hat der Protagonist nur Augen für die digitale Realität auf dem kleinen Bildschirm.

Die Kunst des reduzierten Videos besteht nicht in der Handlung selber, sondern in dem, was diese bei dem Zuschauer auslöst – Frust und Verwirrung darüber, dass nichts Spannendes passiert. Dass keine aufregende Story geliefert wird, die unterhält. Bis dem Zuschauer dann auffällt, dass auch er gerade selbst nichts anderes tut, als die Umwelt zu ignorieren und auf den Bildschirm direkt vor seiner Nase zu starren. Suchend nach Details taucht dieser intensiver in die Musik ein, verarbeitet bewusst die einzelnen Komponenten und schließlich auch die herausfordernden Lyrics. Die alles sagen wollen, aber gleichzeitig auch nichtssagend herausstechen. Dem Zuschauer selbst überlassen, welche Wahrheit er wahrhaben will.

„Nachdem wir mit viel Feuerzeugbenzin und brennendem Toast experimentiert haben, haben wir uns aber für radikale Reduktion entschieden und einfach mal passieren lassen was passiert.“

Versunken in die Musik fallen die schwebenden Klänge auf, die sich nicht nach irgendwelchen Strukturen richten, sondern sich viel mehr frei entfalten können. Synthesizer, Bass und Streicher wabern befreit von Grenzen herum, während das Schlagzeug einen eingängigen Rhythmus liefert. Auf das Konstrukt der verschiedenen Elemente legt sich die Stimme der Sängerin Soma, die beherrscht und bewusst Kritik an der Gesellschaft ausübt.

„Der Text berichtet von Illusionen, von Ironie, Flucht und der Frage nach der Bedeutung und Beurteilung des digitalen Kosmos.“

Dabei versucht Soma nicht, innerhalb weniger Minuten eine lange Geschichte zu erzählen, so viele Wörter wie möglich zu verwenden oder den Hörer anzuklagen, sondern spielt viel mehr mit der Wirkung des Komponierten Komforts. Die Wörter bahnen sich ihren Weg durch die eigenen Gedankengänge und finden langsam Anklang. Immer wieder werden die selben Phrasen wiederholt und hinterlassen zuerst Verwirrung. Soma erzählt allein mit wenigen Zeilen eine Geschichte, die sich frei machen will von den Mustern der Gesellschaft – genauso, wie auch das Instrumentengerüst es aufzeigt.

Was genau sich hinter dem Komponierten Komfort versteckt, ist gleichermaßen genial wie grauenvoll einzugestehen. Denn Musik versucht oftmals gar nichts anderes, als Komfort zu komponieren – etwas Unnatürliches zu kreieren, um damit der Gesellschaft zu imponieren. Gefüllt mit Harmonien, abseits von Dissonanzen und immer nach den gleichen Mustern. Soma überträgt die Komposition in der Musik auch auf die Gesellschaft, die in dem Glauben lebe, frei zu sein, dabei aber kontrolliert und auf ihrer Position festgehalten werde. In der Gesellschaft werde weiterhin Komfort vorgegaukelt, der es leicht macht, seine Augen zu verschließen und sich unter den Greifhänden der Kontrolle zu beugen.

Holosoma wollen durch banale Reime, gleiche Phrasen und das eintönige Musikvideo darauf aufmerksam machen, dass das nicht so sein muss – dass man vielleicht mehr den „Jam“ des Lebens genießen und sich fallen lassen sollte. Statt strammen Stricken das Denken aufzulockern und neue Wege zu gehen.

Beitragsbild: (c) Holosoma

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