Eingepacktes Fernweh und verstaubte Erinnerungen

Fernweh eingepackt in kleine Tupperdosen, die ansehnlich auf dem Regal über der Plattensammlung von Pop bis Indie aufbewahrt werden. Reisegruppe Sued tragen Hoffnung mit sich und den Traum, dass irgendwann alles leichter und einfach wird.

Auf dem neuen Album „Leuchtsignal“ geht es um melancholische Erinnerungen an frühere Zeiten, um Herzschmerz, um Sehnsucht und um Momentaufnahmen. Lagerfeuerklänge mischen sich mit warmen Zeilen, tänzeln in der Dunkelheit umher und hinterlassen ausdrucksstarke Spuren. Ganze Geschichten werden erzählt oder auch nur kleine, besondere Einblicke gezeigt.

Ein verstaubtes Buch voll mit längst vergessenen Momenten und eingefangenen Gefühlen wird mit Mühe vom Regal geholt, während der Opener „Fotos“ erklingt. Ich betrachte nachdenklich den gesprungenen Bilderrahmen auf meinem Schreibtisch, während die Band aus Eisenach ehrlich tanzende Melodien bespielt und melancholische Gedanken besingt. Wünsche zerplatzen durch die rosarote Brille, bis man schließlich nicht mehr weiß, wohin mit sich. Das Album beginnt mit einer scheinbar endlosen Reise durch verwirrende Gefühle, Reue und vergangene Tage. Sehnsucht nach leichten Tagen mit nie endenden Sonnenuntergängen an der Seite der Liebsten schleicht sich in das vor Fernweh laut pochende Herz.

„Manchmal ist man sich so lange böse, bis man gar nicht mehr weiß, warum.“

Aber nicht nur in Songs geformte Gefühle finden sich auf dem Langspieler, auch politische Aussagen werden vertont. In „Mariechen“ reflektiert Sänger und Gitarrist Lars Schmidtmann ein Erlebnis aus dem zweiten Weltkrieg, an dass sich die Oma Maria seiner Freundin zurückerinnert. Ohne etwas ausrichten zu können, wurde sie durch den Einmarsch der alliierten Truppen von ihrem Freund getrennt und musste schließlich tatenlos dabei zusehen, wie der Frieden ihres Heimatorts auf einmal wie weggewischt war.

„Die Sonne geht auf und sie gehen unter.“

Der Song hat einen bitteren Nachgeschmack, hallt im Kopf nach und die in ein seidenes Kleid aus melancholischen Melodien gehüllte Nacherzählung klingt nach einer großen Portion Wehmut. Aber trotzdem verliert das Album nicht seinen Mut und seine Euphorie. Stattdessen spielt es sich weiter durch geschmackvolle Reime und durch mit viel Gefühl geschmückten Zeilen an den verschiedensten Erinnerungen und Personen vorbei seinen Weg durch die immer wieder aufstrahlenden Motive des Fernwehs und der Liebe.

Release – 08.05.2020
Genre – Indiepop
ArtworkMixing & Mastering – Poly Unique

Beitragsbild: Reisegruppe Sued (c) Reisegruppe Sued

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