Wie ein Feuerwerk – trotz Corona

Seit einiger Zeit begleitet uns der Coronavirus mit all seinen Begrenzungen und Verboten in unserem Alltag. Doch langsam bewegt sich etwas, womit wir nicht gerechnet haben – die sogenannten „Autokonzerte“ wurden immer beliebter. Ähnlich wie das schon zuvor etablierte Autokino versammeln sich die Konzerztbesucher in ihren Autos vor einer Bühne und dürfen dieses dann nur für den Toilettengang verlassen. Allerdings ist dieses Prinzip nicht das Gleiche wie auf einem richtigen Konzert – es fehlt das Gedränge, die zahlreichen Moshpits und das verschüttete Bier.

Dass nicht nur Autokonzerte eine Corona-konforme Maßnahme für Livemusik sind, zeigt das Event-Konzept von Arena Now!, das in der LANXESS arena in Köln mit Wincent Weiss Premiere feiert und bei dem wir dabei sein durften. Am letzten Dienstag, dem 23. Juni, machten Verena und ich uns also nach einigen Monaten ohne Konzerte mit Schmetterlingen im Bauch und mit der Vorfreude auf die laute Musik mal wieder auf den Weg zu einem echten Konzert. Wie echt dieses Konzert wirklich sein wird, wussten wir zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht. Bis dahin alles wie immer. Wir fuhren in das angrenzende Parkhaus und fanden sofort einen Parkplatz – da fragten wir uns doch kurz, ob das alles nur ein Traum war. Mit der Sonne und einem breiten Grinsen im Gesicht gingen wir zur Halle, wo endlich viele Menschen zu sehen waren, viele davon sogar mit dem passenden Merch.

Dazu muss ich eben noch ein paar Fakten los werden – die LANXESS arena bietet aktuell eine einzigartige Lösung Live-Konzerte stattfinden zu lassen, natürlich nur mit strengen Hygienemaßnahmen. Wie das alles funktioniert hat und ob die Konzerte der Art sich bewähren können, erzähl ich euch jetzt.

In der Arena waren wir schon mal ab und zu auf Konzerten von Thirty Seconds To Mars oder Linkin Park mit ca. 20.000 Besuchern: die Halle ist also riesig. Daher gab es auch die Möglichkeiten von 5 Eingängen, damit nicht an einem Eingang eine große Menschenmenge warten muss. Welcher für uns der richtige ist, stand auf unserer Karte – was natürlich nicht bedeutet, dass wir den Eingang direkt gefunden hatten. Dies ist allerdings eher unserem Orientierungssinn zu schulden…

Kurz vorm Eingang. Noch einmal abgecheckt, ob wir wirklich alles eingepackt hatten, denn neben dem Personalausweis benötigten wir diesmal auch eine Mund-Nasen-Maske. Passend angekleidet machten wir uns schließlich auf den Weg in die Halle und wurden sogleich freundlich von den Mitarbeitern begrüßt. Trotz der Maske und den hohen Temperaturen merkte man ihnen an, dass sie froh waren, dass Konzerte wieder stattfinden können. Mit einem Hinweis auf die Hygienemaßnahmen bewaffnet ging es in die Halle, dort war übrigens gefühlt nichts los. Ab und zu war mal eine Gruppe Fans zu sehen und sogar selbst auf der Mädchen-Toilette mussten wir nicht anstehen, wo sonst bei großen Konzerten gewöhnlich eine lange Schlange zu finden ist.

Voller Spannung gingen wir zum Innenraum, wo wir einen Großteil des Konzertes verbringen sollten. Sofort fiel uns die riesige, viereckige Bühne in der Mitte der Halle auf, die extra für das Event aufgebaut worden ist. Die Vorfreude auf das Konzert war mittlerweile ins Unermessliche gestiegen. Rund um die Bühne standen, wie ich gerne sage, „Bushaltestellen“ – also vier Stühle in einer Reihe, die sich auf einer kleinen Plattform befinden und zu den Seiten durch Plexiglas von den anderen abgeschirmt sind. Glücklicherweise fehlte die obere und die vordere Scheibe, sodass man den Künstler nicht nur durch das Glas sehen musste. Viele Fans schreckte das Plexiglas nicht ab, sondern animierte viel mehr zum Schmücken der eigenen Box. Es sah wunderschön aus mit den vielen Lichterketten, Luftballons und Girlanden; verrückt, wie aus einer Sicherheitsvorkehrung so etwas Schönes gemacht werden kann!

Auf den Rängen saßen ebenfalls Fans. Dort wurde darauf geachtet, dass immer 1,5 Meter zwischen den Gruppen freigehalten wurde. Sobald man an seinem Platz war konnte man dort auch glücklicherweise den Mundschutz abnehmen. Ohne Mundschutz und mit einem Glänzen in den Augen konnte ich immer noch gar nicht fassen, dass wir wirklich ein Konzert miterleben werden und meine Spannung und Vorfreude wurde durch die Musik, die vor dem Konzert lief, nur noch mehr angestachelt. Ich würde die Musik so beschreiben wie die bei „Wer wird Millionär“, die in dem Moment läuft, in dem es wirklich spannend wird. Des weiteren war die Stimmung in der Halle sehr locker und man hörte viele Gespräche über Freude und Musik.

Dann war es endlich so weit und die Bühne war um 20 Uhr nicht mehr länger leer – und ich sowas von bereit. Doch bevor die Vorband auftreten konnte, entpuppten sich die beiden jungen Männer auf der Bühne als die Comedy-Podcaster Niklas & David. Auf lockere und lustige Art und Weise erklärten sie uns noch einmal die Hygienemaßnahmen, die Abstandsregeln und den Verhaltenskodex. Fragen wie „Darf ich meinen Nachbarn auf die Schultern nehmen?“ wurden schlagfertig mit der Aussage „Ja klar, wenn ihr die 1,5 Meter Abstand dabei einhaltet“ beantwortet, aber auch die Frage „Was ist wenn ich auch Karten für die nächsten Tage habe, kann ich hier übernachten?“ sorgte für viele Lacher und lockerte die Stimmung noch einmal erheblich auf.

Fabian Wegerer (c) Verena Schäfer

Plötzlich verdunkelte sich die Halle und alle fingen nahezu zeitgleich an zu schreien und zu klatschen. Für viele ging das erste richtige Konzert in der Pandemie los – mit einem jungen, ganz in schwarz gekleideten Mann, der sich als Fabian Wegerer herausstellte. Wir kannten ihn bereits, weil er auch ein guter Freund von Wincent Weiss ist und in vielen Prankvideos auf Instagram vorkommt. Viele begannen in Ihren „Plexiglasboxen“ zu tanzen und zu singen, was so ansteckend war, dass ich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekam. Fabian Wegerer singt seine Lieder auf Deutsch und beschreibt seine Musikrichtung als Pop mit elektrischen Einflüssen. Also: Musik zum Tanzen und mindestens den Refrain konnte man beim zweiten Mal schon mitsingen!

Fabian Wegerer (c) Verena Schäfer

Aber nicht nur tanzbare Rhythmen spielte er, auch ein ruhigeres Lied schmückte die Setlist. Er erzählte uns, dass er dieses Lied für seine Ex-Freundin geschrieben hatte; und nicht nur bei dem Song konnte ich mich in genau das, was er singt, hineinversetzen und mitfühlen. Auch Fabian Wegerer merkte man an seinen strahlenden Augen die Freude deutlich an, endlich wieder auf der Bühne zu stehen. Meine Augen wiederum verfolgten abwechselnd die Lichtshow und dann wieder den Sänger; mit seinem schiefen Lächeln ließ er auf jeden Fall junge Mädchenherzen schmelzen.

Fabian Wegerer (c) Verena Schäfer

Schließlich spielte er das Lied „Für immer wach“, was mir direkt bekannt vorkam. Genauso wie Wincent Weiss hatte auch Fabian Wegerer in der Vergangenheit ein Lied zusammen mit den DJ’s Gestört aber GeiL aufgenommen. Bei dem Lied ist endlich auch der letzte aufgestanden und hat getanzt. Auch er selbst hatte durch die viereckige Bühne wirklich viel Bewegungsfreiheit; auf jeder Seite der Bühne saßen Fans, die daraufhin fieberten, dass er wieder an ihrer Seite vorbei läuft. Damit alle etwas von dem Geschehen haben konnten, waren große Leinwände installiert, die besonders für die Leute auf den Rängen für ein spannendes Konzertfeeling sorgten. Nach 30 Minuten Fabian Wegener war ich dann wieder im Groove, so als hätte es nie ein Konzertloch gegeben und wir jubelten dem jungen Künstler hinterher.

Im Innenraum hörte man nun kurz danach schon die Rufe „Wincent, Wincent“ – und trotz der nur 850 Besucher in der Halle, fühlte sich die Stimmung nach bedeutend mehr an. Nach einer kurzen Umbaupause verdunkelte sich wieder die Halle und nun waren die Schreie noch lauter als zuvor bei Fabian Wegener. Aber nicht ohne Grund, denn nun kam der Moment auf den die Fans die ganze Zeit gewartet haben: Wincent Weiss betrat die Bühne. Mit einem langen Intro lief er einmal alle Seiten seiner Bühne ab, um die Fans zu begrüßen und sein Grinsen steckte wirklich jeden in der Halle an und animierte dazu, aufzustehen und sich im Takt zu bewegen.

Wincent Weiss (c) Verena Schäfer

Wincent Weiss lief und sprang voller Freude und mit einer unglaublichen Power über die Bühne, untermalt von einer faszinierenden Lichtshow. Er eröffnete die Show mit einer Danksagung, dass er die LANXESS arena viermal ausverkauft spielen darf. Dies tat er mit einem kleinen Zwinkern, da die Arena statt 20.000 nur 850 Besucher einlassen durfte. Er hoffte allerdings, dass er bald auch in einer vollen Arena ein ausverkauftes Konzert geben kann. Bei seinem Erfolg würde ich sagen, dass das auch nicht mehr lange dauern wird!

Aber die wenigen Besucher hatten auch ihren Vorteil; eine intime Stimmung entstand, die sonst bei einem „richtigen“ Wincent Weiss Konzert vermutlich nicht mehr erreichbar wäre. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, dass er gerade nur mit mir spricht oder nur für mich singt – wie er selbst auch sagte, fühlte sich die Stimmung trotz Abstand an wie bei einem kleinen Clubkonzert.

Wincent Weiss (c) Verena Schäfer

Wincent sang alle seine Hits wie „Wunder“, „Feuerwerk“, „So gut“ und viele mehr. Bei einigen Liedern traute sich Wincent, uns alleine singen zu lassen und hielt das Mikrofon in die Richtung der Fans. Tatsächlich konnte man alle lautstark mitsingen hören – dass dies in einer so großen Halle mit so wenigen Besuchern möglich ist, hätte ich niemals gedacht. Nach seinem verblüfften Blick zu urteilen, war er ebenfalls überrascht. Dazu muss noch gesagt werden, dass es Wincent aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen nicht erlaubt wurde, uns zum Singen aufzufordern. Aber da wir dauerhaft sowieso alle seine Songs lautstark mitgesungen haben, musste er uns auch gar nicht auffordern.

Eins meiner Highlights war das Metal-Medley, bei dem er einige seiner Lieder mit Metal-Einfluss verzierte. Funfact zu Wincent Weiss: Er hört privat viel Rock, Metal und Ähnliches, was man gar nicht erwarten würde, wenn man nur seine Pop-Musik hört.

Neben energetischen Liedern wie „So gut“ zu welchen es bereits offizielle Tänze gibt, sang Wincent auch gerne ruhigere Lieder wie zum Beispiel „Pläne“ oder „Hoffe es geht dir gut“. Selbst bei diesen Songs setzte sich in der Halle niemand hin, weswegen es sich wirklich wie ein normales Konzert anfühlte. Lauter Gänsehautmomente raubten mir den Atem – einer davon war das Gefühl, als nur die Fans unglaublich laut mitgesungen hatten.

Wincent Weiss (c) Verena Schäfer

Noch sympathischer machte sich Wincent durch seine Tollpatschigkeit. Auf vorherigen Konzerten trat er zum Beispiel mitten in einem Lied ausversehen auf das Keyboard und klimperte dabei ein paar schiefe Töne mit seinen Füßen. Oder er erzählte von einer Partynacht seiner jüngeren Schwester und bezeichnet sie versehentlich als seine angetrunkene Tochter… Der Pop-Star wirkte dadurch wirklich nah an den Fans, was die intime Stimmung noch mehr verstärkte.

Schließlich neigte sich auch eine Stunde Bauchkribbeln und Gänsehaut so langsam dem Ende zu. Nun stand Wincent nur noch alleine auf der Bühne und wollte uns etwas Wichtiges sagen: mit einem neuen Song „Ist das noch Realität“, der bisher nur auf Instagram existiert, machte er auf das Thema Rassismus aufmerksam und machte sich stark für das Widersetzen gegen rechte Hetze, was mich zum Ende nochmal richtig berührt hatte.

Mit einem lauten Applaus verließ Wincent Weiss viel zu früh die Bühne. Das Konzert ging gefühlt super schnell vorbei und es tat so gut – Wincent Weiss hat gezeigt, dass Konzerte in einer Pandemie möglich sind und somit vielen Künstler*innen den Weg geebnet, wieder Konzerte spielen zu können. Trotzdem sollte man natürlich nie vergessen, an die Risikogruppen zu denken und über die ganzen Vorschriften hinweg zu sehen, nur um selbst davon profitieren zu können. Dank dem Konzept von Arena Now!, das auch noch in Zukunft viele Events trotz Pandemie veranstalten wird, ist es aber möglich, sich an die Vorschriften zu halten und trotzdem Live-Musik zu genießen.

Dieser Beitrag wurde geschrieben von Natalie Fuß, bebildert von Verena Schäfer und überarbeitet von Mihanta Fiedrich. Danke für diese grandiose Zusammenarbeit an dieser Stelle auch noch einmal an Arena Now!, die uns diesen Beitrag überhaupt erst ermöglicht haben!

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