In der Hoffnung anzukommen

MOA, der mit bürgerlichem Namen Lucas Mohr heißt, hat sich für einen ganz besonderen Releaseweg für sein Debütalbum „an/aus“ (VÖ: 17.07.2020) entschieden: An sich schon 2018 aufgenommen, veröffentlichte er jeden Song als Single mit einem Abstand von 6 Wochen, um mit auf seine persönliche Reise zu nehmen. Detailverliebt erzählt seine Reise vom Scheitern, von Herzschmerz, aber auch vom Wiederaufstehen und Zweisamkeit.

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„Ich bin MOA und ich komme aus Kassel…“

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Der erste Track „du weißt es“ beginnt gleich mit einem packenden Beat, der mit Gitarre und Schlagzeug ausgestaltet ist. Dazwischen fliegen Synthesizerklänge und die leichte Stimme von MOA, die betont schwerelos auf dem Melodiekonstrukt balanciert. Liebevoll hat er Zeilen aneinander gereimt, die von Erlebnissen zwischen Tür und Angel, zwischen Herz und Verstand und zwischen Gefühlsausbrüchen und Stille erzählen.

Während Verse und Chorus energisch und gewissermaßen auch euphorisch nach vorne drängen, nimmt sich der Pre-Chorus kurz zurück und die Zeit, die er braucht. Er bleibt im Kopf stecken und erzählt gefühlsbetont von Liebe, dem verzehrenden Gefühl, mehr zu wollen, als einem zusteht, aber auch von Vertrautheit und schicksalhaften Zufällen. Erzählt von der Flamme, die dieses Gefühl nährt, den Körper immer weiter aufheizt und dazu drängt, sich den eigenen Bedürfnissen hinzugeben und mit denen der anderen Person zu verschmelzen.

Der Song ist eine Art Gespräch zwischen Treppenhaus und offenem Fenster; einzelne Wortfetzen rinnen immer wieder in den gefühlsüberfluteten Kopf. Obwohl MOA nur seine eigenen Gefühle in verschiedenen Tonspuren wiedergibt, steckt auch etwas von der anderen Person drin. Er ermöglicht den Blick in beide Welten. In Welten, in denen es nichts Schöneres gibt, als wahrgenommen, als gesehen, als gefühlt zu werden.

In dem Musikvideo jedoch geht es um alles andere als um Zweisamkeit – gefangen zwischen Baumkronen, Hochhäusern und dem eigenen Gewissen findet der dargestellte Charakter die Liebe nicht. In meinem Kopf bleibt die Sequenz stecken, in der er mit festem Blick in den Spiegel schaut und sich die Worte des Refrains selber zuflüstert – es bleibt die Frage im Raum, ob das „du“ nicht eingebildet und in Wirklichkeit das eigene Spiegelbild ist. Dass er sich gegenüber seinem Spiegelbild vergewissern muss, dass er überhaupt noch etwas fühlt im Rausch der Bedeutungslosigkeit, die nach gedankenlosem Alkoholexzess folgt.

„Ich kann kein Ende mehr sehen / Weil wir mal rennen, mal gehen / Kann dir nicht mehr widerstehen / Es ist ein Geben und Nehmen / Weiße Fahnen, die wehen / Wir lassen es einfach geschehen“

MOA (c) Klangbild Fotografie

„teil von mir“ beginnt erst wesentlich leiser und breitet nur zögerlich seine leichten Flügel aus. Dank dem einsetzenden pulsierendem Beat und dem Spiel von Stimme und Melodik hört man hier deutlich den Deutsch-Pop heraus, dem sich MOA verschrieben hat. Aber nicht dem Deutsch-Pop, der aufgrund einer fest vorgeschriebenen und an die Streamingdienste angepassten Struktur verweichlicht und zerknaust wird. Vielmehr weiß MOA um die Gefühle des Pops Bescheid und legt sein ganzes Herz in die Melodie, die seiner harmonischen Stimme Ausdruck verleihen. Die Liebe ist der rote Faden seines Albums, aber trotzdem wird es nie langweilig. Die Songs sind geprägt von kleinen Geschichten, aber nie von kitschigen Liebeserklärungen.

Gewissermaßen kann „teil von mir“ als Fortsetzung von „du weißt es“ verstanden werden. Zwei Menschen haben zueinander gefunden, haben gefühlt, dass sie ineinander übergehen, miteinander verschmelzen, voneinander abhängig sind. Mit seiner sanften Stimme schafft es der Musiker, den Song trotzdem noch interessant zu gestalten und von seinen Gefühlen, anstatt über Oberflächliches zu erzählen. Es geht nicht um die Schlösser am Kölner Dom, die beide Initialen tragen und mit frisch verliebten Blicken aufgehängt worden sind, sondern um das schnell schlagende Herz eingehüllt in der Wärme des Partners.

Auch dieses Musikvideo wirft einen ganz anderen Blick auf den Song. Zu sehen ist eine Tänzerin, die in drei verschiedenen Szenen ganz alleine weis, ihren Körper einzusetzen und den Blick des Zuschauers zu fesseln. Und dabei fällt mir auf, wie oft in Musikvideos eine Geschichte erzählt wird oder abwechselnd die Musiker zu sehen sind – nur sehr selten sehe ich ein wirklich gutes Video, in dem einfach nur getanzt wird. Die Tänzerin sorgt unverhofft für Gänsehaut mit ihrer sanften und zugleich auch zerbrechlichen Art, lebendig zu sein.

„Ich hab‘ erst gar nicht gemerkt / Dass ich nicht mehr alleine bin / Du bist ein Teil von mir“

MOA (c) Christoph Sebastian

Der nächste Track „an/aus“ ist auch zugleich Namensgeber des Albums und erzählt genau davon. Hin- und hergerissen geht es nicht mehr nur um bedingungslose Liebe und um die wunschlos glückliche Zweisamkeit, sondern um Zweifel und erste Risse im Herzen. Zwei Seelen, die nicht mehr alleine können, aber noch nicht dazu bereit sind, eine gemeinsame Zukunft ins Auge zu fassen. Vielleicht ging doch alles viel zu schnell, der Blick auf den Partner war zu sehr in Rosa getaucht und zu schnell wollte der Kopf Wunschvorstellungen in der Realität erzwingen.

MOA zeigt in diesem Song auch, was er als Rapper drauf hätte – um dann Sekunden später deutlich zu machen, dass er sich im Gesang viel ehrlicher und gefühlvoller ausdrücken kann. Der kleine Rappart kommt nichtsdestotrotz gelegen und passt in die Hin- und Hergerissenheit des Songs.

Erinnert mich an den ersten gemeinsamen Urlaub, wenn der teure Champagner auf das helle Hotelzimmer bestellt und die Welt stumm gestellt wird. Aber erinnert mich auch an den nächsten Tag am Strand, an Meinungsverschiedenheiten und an das Gefühl, seine eigene Freiheit zu verlieren und ruhelos eingesperrt zu sein. Obwohl gerade alles noch perfekt war – weil perfekt eben nicht das Ideal ist, das man anstreben sollte. Weil viel zu viele Menschen daran zerbrechen, perfekt sein zu wollen und stattdessen lieber daran arbeiten sollten, sich selber gut genug und im eigenen Körper glücklich zu sein.

Wie auch in den anderen Songs kann mit dem „du“ jeder gemeint sein. Es muss nicht unbedingt um die Liebe gehen – viel Interpretationsspielraum wird offen gelassen, damit jeder seine eigene Geschichte auf die Songs spinnen kann.

Bei dem Titel musste ich auch sehr an die zunehmend digitalisierte Welt denken, in der es so leicht ist, negative Dinge mal eben „aus“ und glückliche Momente dafür wieder „an“ zu schalten. Nur ein Klick, nur ein Button reicht; es ist nicht zu leugnen, dass die Art, Probleme zu verarbeiten, sich zunehmend verändert. Ein einziges „aus“ genügt, und schon sind die Probleme nur noch offline präsent und es muss sich nicht mehr direkt mit ihnen beschäftigt werden. Und wenn es einem dann wieder passt, kann binnen Sekunden wieder „an“ geschaltet werden.

In einem Zeitalter, in dem fast mehr über Soziale Medien als im echten Gespräch miteinander kommuniziert wird, in dem nur der Bildschirm Realität und Lifestyle voneinander trennt, findet sich auch der Drang wieder, perfekt sein zu wollen. Einem imaginären Publikum gegenüber ein Leben vorzuleben, das zehntausend Klicks und Retweets später nichts mehr lebendiges hat. Das immer nur die schönsten, sorgfältig ausgewählten Inhalte, aber nie die ganze Realität mit all ihren Ecken und Kanten zeigt.

MOA hingegen versucht, in den acht Songs auch die Ecken und Kanten seiner Lebensrealität zu zeigen und sie durch stimmungsvolle und gefühlsbetonte Aufnahmen wieder schön zu schleifen. Auch das Musikvideo gibt einen starken Einblick in sein Privatleben – hier scrollt er sich durch verschiedenste Momentaufnahmen mit einer Frau, die er in seinem Handy als Cecilia abgespeichert und immer noch als Hintergrundbild eingespeichert hat.

Durch den Bildschirm seines Handys hat er kunstvoll Gefühle eingefangen, die im Laufe des Songs immer distanzierter werden. Aber gleichzeitig hält das Handy die Beziehung noch aufrecht. Die verschiedensten Bilder und Videos lassen nicht zu, loszulassen. Schön inszeniert ist auch der Nachrichtenverlauf mit Cecilia – immer wieder zögert MOA damit, eine Antwort auf ihre Nachrichten zu senden und erst am Ende des Songs hört man endlich den Ton einer abgesendeten Nachricht, der irgendwie wieder Hoffnung vermittelt.

„Zu wahr um schön zu sein / Du machst uns an – aus / Ich halte uns an – aus / Zu schön um wahr zu sein – um wahr zu sein“

Der darauf folgende Song „worte“ ist unglaublich kraftvoll. Strahlt mit nur wenigen Worten eine Energie aus, die Mut macht, aber auch nachdenklich stimmt. Wie es der Titel schon verrät, geht es um die Macht der Worte – und um das „für immer“, das auch schon in „an/aus“ aufgetaucht und hier jetzt endgültig zum Scheitern verdammt ist.

Die beiden Strophen sind wirklich Wortkunst und MOA beweist einmal mehr, dass er in der deutschen Sprache sein Zuhause gefunden hat und gar nicht dem Trend nachzurennen braucht, auf Englisch zu singen.

Mir gefällt besonders der Vergleich der Kraft der Worte mit der Börse, die für Neueinsteiger unberechenbar und mit jeder Sekunde wandelbar ist. Hat man Glück, kann man hohen Gewinn rausschlagen – aber dieses Glück hat MOA nicht und muss dabei zusehen, wie die wirkliche Realität der Worte hinter aufsteigenden Säulen aus Honig versteckt war und ihn nun auf den Boden der Tatsachen aufprallen lässt. Hier ist ein „ich liebe dich“ wertlos – denn es war anscheinend nie so gemeint. Oder zumindest nicht für immer bestimmt.

Und trotz dem Verlust und der bitteren Wahrheit gestaltet MOA hier einen der kraftvollsten Songs der Platte, der einen Höhepunkt bildet und zugleich aber auch von bitterem Realitätsschmerz geprägt ist. Stück für Stück wird er immer präsenter, dringt in die Gedanken und ist schließlich so laut, dass die komplette gemeinsame Vergangenheit infrage gestellt wird. MOA geht sogar so weit, zu sagen, dass er sich selbst dadurch verloren hat – oder zumindest den Teil, der nie für immer zu ihm gehören sollte.

Mit starken Akkorden, treibendem Schlagzeug und seiner sorgfältig eingesungenen Kopfstimme im Hintergrund stellt er einmal mehr sein Talent unter Beweis, das nicht nur darin liegt, gefühlsecht die richtigen Worte zu finden, sondern auch mit jedem gesungenen Ton immer mehr von seiner ausdrucksstarken Stimme zu begeistern.

Im Musikvideo hingegen werden unendliche Weiten gezeigt, aber trotzdem immer nur die gleiche Szenerie. Beeindruckende Landschaftsaufnahmen und mittendrin läuft MOA mit schweren Schritten und starren Händen.

„Der Wert deiner Worte ist gefallen, Liebes-Crash / Ich hab‘ alles investiert, auf Risiko gesetzt / Hab‘ auf Risiko gesetzt“

MOA (c) Florian Kraft

Weiter geht die Geschichte mit dem Song „trümmer“, der für einen Neuanfang und das Überdenken der eigenen Ideale steht. Wenn im Track vorher noch das Gefühl herrschte, an der Liebe gescheitert zu sein, fühlt sich „trümmer“ an wie eine euphorische Siegeshymmne – einfach, weil man bei jeder Gelegenheit die kleinen wie die großen Erfolge im Leben feiern sollte.

Mit einer Sache abschließen ist gerade dann, wenn es schmerzhaft zu Ende ging, wichtig. MOA weiß das, verbrennt Erinnerungen und gräbt einmal komplett den Boden seines Herzens um, um Platz zu schaffen für neue Gefühle und zaghaft wachsendes Vertrauen.

Auf Instagram erzählt er, dass alle Songs logisch aufeinanderfolgen und es ihm wichtig sei, auch für das erste Album alles perfekt durchzuplanen und ein Werk zu veröffentlichen, dass an der Spitze mithalten kann. Das Potenzial dazu hat er auf jeden Fall, wie sich in abwechslungsreichem Songwriting und liebevoll arrangierten Melodien und Texten zeigt. Das Album erzählt von „Liebe, Verlust und dem Nicht-Wissen-Wohin“ – aber dann auch von der ewigen Achterbahnfahrt der Gefühle und dem Verarbeiten von Momentaufnahmen, die einen schnell überfluten können.

„trümmer“ ist definitiv ein Song, den man sich nach jedem Misserfolg anhören sollte. Hilft viel mehr, als die traurige Playlist aufzudrehen, Schokolade und Chips in sich rein zu fressen und in Selbstmitleid zu versinken. Die starke Message wird verpackt in eine Melodie, in dem seine Kopfstimme noch stärker zum Vorschein kommt, der mit stimmungsvollen Refrains Glücksgefühle durch den Körper pumpt und die Mundwinkel nach oben ziehen lässt.

Besser als rote Rosen zur Entschuldigung oder als der Netflix-Marathon – denn MOA bringt rüber, dass jeder die Kraft dazu hat, aus schlechten Erfahrungen zu lernen, über sie hinauszuwachsen und neues Feuer im Herzen zu schüren.

In dem Musikvideo ist zum ersten Mal MOA selbst der Protagonist der kleinen Geschichte – und läuft orientierungslos auf einem alten, verwahrlosten Fabrikgelände umher, das von lauter kleinen Steinen umgeben ist und generell so aussieht wie die Trümmer, in die das Leben nach einer großen Krise gefallen ist.

„Ich verbrenne alte Bilder / Trete alles kaputt, was mir im Weg liegt / Alle Wände, die reiß‘ ich nieder / Alles bricht zusammen, mein Leben pulverisiert“

Während es in „trümmer“ noch um das Aufstehen ging, erzählt „neue wege“ dem roten Faden folgend von den ersten Schritten, sich eben auf ungewohnte Wege zu begeben. Sich auf das einzulassen, was das geflickte Herz einem rät.

Herausstechend ist hier besonders der Rhythmus, der mal schnell und mal langsam den Song immer weiter nach vorne trägt. Der wie Fahrtwind ist, der mit 100 km/h auf dem Tacho und Sonnenblumenwiesen im Rückspiegel die Haare zerzaust und die im Radio laufende Musik mit den Gedanken weit wegträgt.

In dem Song steckt auch ganz viel Mut zur Spontanität und dafür, immer wieder 10 % mehr in die Sachen zu investieren, für die man brennt. Mit offenen Augen geht es immer weiter vorwärts, immer neue Herausforderungen und Ziele können gemeistert, aber auch verpasst werden, und am Ende der Reise – ja, da erwarten einen dann vielleicht tropische Seen aus Euphorie und das alles umfassende Gefühl, die innere Harmonie gefunden zu haben.

Im Musikvideo nimmt MOA mit in seine Studiozeit in den PowerPlay Studios; nimmt mit in eine Welt, in der für eine Zeit lang nur die Musik eine Rolle spielt. In eine Welt, in der er daran getüftelt hat, wie seine Gedanken bestmöglich vertont werden können.

„Und ich renne ohne Pause / Um zu fühlen, was als Nächstes kommt / Bin fast oben auf dem Gipfel / Der Verzweiflung angekommen / Doch ich renne ohne Pause / Um zu wissen, was als Nächstes kommt / Bin fast oben auf dem Gipfel / In der Hoffnung anzukommen“

In „nina“ geht es dann wieder um die Liebe. Die Story geht anscheinend damit weiter, dass die neuen Wege das Herz geöffnet haben für eine Person, die einen alles vergessen lässt. Für eine Person, die mit einprägsamen Melodien beinahe ehrfurchtsvoll besungen wird und mit der zusammen auf einmal alles möglich zu sein scheint. Die Beziehung der beiden Personen zueinander wirkt viel gesünder und gestärkter als die in „du weißt es“; beide scheinen dazu gelernt zu haben und sich dabei voll und ganz bewusst zu sein, was sie wirklich wollen.

Die Backgroundchöre füllen den Song voll aus und verleihen der Stimme des Musikers eine ganze Portion Power. Ein Song, der wie gemacht ist, um gefühlsbetrunken durch nächtliche Wälder zu stolpern, sich Hand in Hand euphorisiert im Kreis zu drehen und dabei die Schmerzen der Vergangenheit lauthals aus der Seele zu schreien. Auch in „nina“ fällt MOA’s außergewöhnliche Art, seine Gefühle in Worte zu fassen, noch einmal deutlich auf und kann sich so von der Masse abheben. Es wird kein oberflächliches Bild von einer Person gezeichnet, sondern viel mehr hervorgehoben, was diese Person in einem auslöst und wie es sich anfühlt, mit dieser Person Zeit zu verbringen. Ein Bild, das ich persönlich sehr viel schöner und ehrlicher finde, als wenn etwa braune Locken und Sommersprossen auf der Nase besungen werden.

Kontrastvoll zu den anderen Musikvideos sieht man hier nur MOA – umgeben von Licht und Schatten, mit seiner Gitarre im Arm und mal mehr, mal weniger zaghaft performend. Was mich dabei ein bisschen irritiert sind die kleinen Retro-Einwürfe, aber trotzdem passt das Gesamtwerk zur Optik des Künstlers. Die ist nämlich ganz besonders: mit viel Liebe hat jede Single ein anderes Cover bekommen, das ein kleinen Ausschnitt aus Kunstwerken darstellt, die nach dem Vorbild der Songs kreiert wurden.

„Ich will mehr, mehr von dir / Deiner Energie, die mich nach oben zieht / Du bist mein Dopamin, Koffein, Endorphin / Du bist mein Adrenalin“

Der letzte Track „höher“ war dann auch der letzte, der noch fehlte, um das Album komplett zu machen und ist mein persönlicher Favorit. Gerne könnte das Klavier noch stärker herauskommen – aber angesehen davon hat MOA einen facettenvollen Song geschaffen, der zum Tagträumen und Gedanken-schweifen-lassen einlädt. Der Song ist mutig, aber irgendwo auch wegweisend und trostspendend. Ich kann ihn mir besonders gut live vorstellen, mit tanzenden Seelen und schnell schlagenden Herzen passend zum Beat der Musik.

Der Song besingt die Hürden, die einen immer weiter dazu antreiben, mehr zu machen, bis man dann in schwindelerregender Höhe schon über die eigenen Ziele hinausgewachsen ist. Ist einerseits euphorisch gestaltet, hat aber auch diesen mahnenden Ton verinnerlicht.

„Es geht um den ständigen inneren Druck immer mehr erreichen zu müssen und dabei die Kontrolle zu verlieren. Dieser Song erinnert mich selber immer daran, Pausen zu machen und Ziele zu hinterfragen.“

Wenn ich einen Song auf meine momentane Situation übertragen müsste, dann wäre es wohl dieser – in unserer Profitgesellschaft wird einem immer wieder gesagt, dass man dies und das noch zu erledigen hat und ständig der Vergleich zu anderen gezogen, die viel erfolgreicher, schöner, besser und stärker sind als man selbst. Aber nie wird gesagt, dass es okay ist, zu scheitern; oder dass es okay ist, eine Pause zu machen, bevor es wirklich zum Scheitern kommen muss.

MOA hingegen reflektiert hier seine eigene Situation und schenkt viel mehr als nur das okay dazu, sich eine Pause zu gönnen. Er schenkt diese Pause in 3 Minuten und 22 Sekunden komprimiert, in flächigen Melodien und gedankenverlorenen Lyrics verarbeitet. Schenkt einen Anker, der orange verziert im sicheren Hafen so lange im Wasser liegt, bis der Herzschlag sich wieder normalisiert hat und nüchtern auf das Leben geblickt werden kann.

Beitragsbild: (c) Florian Kraft

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